Harte Schale, weicher Kern – Warum wir hinter die Fassade schauen sollten
Hinter Wut, Trotz und Coolness stecken oft verletzte Herzen
28/2026
Es gibt Menschen und Romanfiguren, die man sofort ins Herz schließt. Und dann gibt es jene, die anecken. Die provozieren. Die ihre Mitmenschen auf Abstand halten. Die scheinbar keine Hilfe wollen und jede ausgestreckte Hand zurückweisen.
Kathi aus meinem Jugendroman Isilove – Nah am Abgrund gehört zu dieser zweiten Kategorie.
Wer ihr begegnet, sieht zunächst ihre vielen Tätowierungen, ihre rebellische Art, ihre Null-Bock-Einstellung und ihr oft aufbrausendes Verhalten. Sie wirkt stark. Unnahbar. Vielleicht sogar einschüchternd. Doch wie so oft im Leben erzählt die Oberfläche nicht die ganze Geschichte.
Wenn Verletzlichkeit eine Rüstung trägt
Menschen entwickeln unterschiedliche Strategien, um mit Enttäuschungen, Verlusten und seelischen Verletzungen umzugehen. Manche ziehen sich zurück. Manche versuchen, alles richtig zu machen. Und manche bauen Mauern.
Sie wirken hart, obwohl sie innerlich längst verletzt wurden. Sie stoßen andere weg, bevor sie selbst wieder verlassen werden können. Sie greifen an, bevor sie angegriffen werden. Sie tun so, als wäre ihnen alles egal, obwohl sie sich nach Nähe, Verständnis und Zugehörigkeit sehnen.
Psychologen sprechen dabei häufig von Schutzmechanismen. Unser Gehirn versucht uns vor weiterem Schmerz zu bewahren. Das Problem dabei: Die Schutzmauer hält nicht nur Verletzungen fern – sie hält oft auch die Menschen auf Abstand, die uns eigentlich guttun würden.
Warum besondere Jugendliche solche Schutzschilde entwickeln
Die Jugendzeit ist eine Phase voller Veränderungen. Freundschaften verändern sich. Familien geraten manchmal aus dem Gleichgewicht. Die erste große Liebe kann ebenso glücklich machen wie tief verletzen.
Wo gehöre ich hin, wer bin ich eigentlich?
Während Erwachsene oft bereits ein gefestigteres Selbstbild besitzen, befinden sich Jugendliche mitten in diesem Entwicklungsprozess. Gefühle werden intensiver erlebt. Ablehnung schmerzt stärker. Verluste hinterlassen tiefere Spuren. Wer zurück denkt, kann sich sicher an diese Gefühle erinnern.
Nicht selten entstehen daraus Rollen, hinter denen sich junge Menschen verstecken:
- Die Coole, die niemanden braucht.
- Der Klassenclown, der alles ins Lächerliche zieht.
- Die Rebellin, die gegen jede Regel verstößt.
- Der Einzelgänger, der niemanden an sich heranlässt.
- Die Perfektionistin, die niemals Schwäche zeigen darf.
Ich weiß noch ganz genau, welche Rolle ich eingenommen habe: die Rebellin. Im Nachhinein überkommt mich fast das schlechte Gewissen gegenüber meiner Eltern. Sie trugen es mit Fassung, doch leicht habe ich es ihnen nicht gemacht.
Diese Rollen wirken nach außen sehr überzeugend. Doch dahinter verbergen sich häufig Unsicherheit, Angst oder alte Verletzungen.
Das gibt es nicht nur bei Jugendlichen
Auch viele Erwachsene tragen solche Schutzschilde. Vielleicht kennen wir alle Menschen, die ständig sarkastisch wirken. Die niemals über ihre Gefühle sprechen. Die jede Hilfe ablehnen. Die sich hinter Arbeit, Erfolg oder einer scheinbar perfekten Fassade verstecken.
Manchmal entsteht der Eindruck von Stärke, obwohl in Wahrheit eine große Verletzlichkeit oder Unsicherheit dahinterliegt. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen. Nicht um schlechtes Verhalten zu entschuldigen. Aber um zu verstehen, dass Menschen oft mehr sind als der erste Eindruck.
Warum mich solche Figuren faszinieren
Als Autorin interessieren mich selten die perfekten Figuren. Mich interessieren Menschen mit Ecken und Kanten. Menschen, die Fehler machen. Menschen, die kämpfen. Menschen, die sich selbst manchmal im Weg stehen.
Dort entstehen die Geschichten, die berühren. Hinter jeder harten Fassade steckt eine Geschichte.
- Eine Erfahrung.
- Ein Verlust.
- Eine Sehnsucht.
Und manchmal braucht es nur einen Menschen, der bereit ist, hinter diese Fassade zu blicken.
Ein Blick nach Litliheimar
Auch in Isilove – Nah am Abgrund begegnet ihr einer jungen Frau, die gelernt hat, sich zu schützen.
- Mit Worten.
- Mit Wut.
- Mit Distanz.
Doch auf dem Islandpferdehof Litliheimar wird sie Menschen begegnen, die sich nicht so leicht abschütteln lassen. Menschen, die mehr sehen als das, was sie nach außen zeigt. Ob das genügt, um ihre Mauern ins Wanken zu bringen? Das müsst ihr selbst herausfinden.
Kathis Geschichte bewegt und soll eine Botschaft weitergeben, im echten Leben einen zweiten Blick zu wagen. Nicht jeder, der laut ist, ist stark. Nicht jeder, der abweisend wirkt, möchte allein sein. Und nicht jede harte Schale verbirgt einen harten Kern. Manchmal verbergen sich hinter Wut, Trotz und scheinbarer Gleichgültigkeit genau die Menschen, die sich am meisten nach Verständnis, Vertrauen und Zugehörigkeit sehnen.
Das hat mich inspiriert und dazu schickte ich Kathi auf den Islandpferdehof Litliheimar, um sich selbst zu finden. Dort begegnet sie Menschen, die sich nicht von ihrer rauen Art abschrecken lassen, sondern ihr die Chance geben, zu zeigen, wie liebenswert sie ist. Mehr zu Isilove – Nah am Abgrund









