Zwischen Manuskirpten, Deadlines und Herzenprojekten - wie ich als Autorin und Lektorin den Überblick behalte
Warum kreatives Arbeiten weit mehr ist als Schreiben und jedes Buchprojekt volle Aufmerksamkeit verdient
KW 22 / 2026
Von außen wirkt das Leben als Autorin oft frei, kreativ und spontan. Viele stellen sich vor, man würde morgens mit einer Tasse Kaffee am Schreibtisch sitzen, ein paar Stunden schreiben und den Rest des Tages in Geschichten versinken. Tatsächlich gehört genau das zu den schönsten Seiten dieses Berufs, gleichzeitig besteht der Alltag aus weit mehr als nur dem Schreiben selbst.
Denn hinter jedem Buchprojekt stehen unzählige Entscheidungen, Abläufe und Prozesse, die organisiert, koordiniert und begleitet werden wollen. Gerade als Autorin und Lektorin bewege ich mich ständig zwischen verschiedenen Welten. Jede davon verlangt Aufmerksamkeit, Struktur und vor allem die Bereitschaft, sich immer wieder neu auf ein Projekt einzulassen. Und genau darin liegt für mich die größte Herausforderung – aber auch die größte Freiheit.
Zwischen kreativer Freiheit und klaren Strukturen
Was ich an meiner Arbeit besonders liebe, ist die Möglichkeit, gleichzeitig an unterschiedlichen Projekten arbeiten zu dürfen. Während ich an einem Tag tief in einem Psychthriller stecke und Spannung, Wendungen und Figurenpsychologie überarbeite, begleite ich am nächsten Tag Autor:innen dabei, ihre ganz eigene Geschichte weiterzuentwickeln.
Kein Projekt gleicht dem anderen. Kein Manuskript bringt dieselben Fragen mit sich.
Gerade diese Vielfalt macht den Beruf für mich so erfüllend. Gleichzeitig erfordert sie ein hohes Maß an Struktur. Denn kreative Arbeit bedeutet nicht automatisch Chaos. Im Gegenteil: Damit Geschichten wachsen können, brauchen sie Verlässlichkeit und Raum. Genau diesen Raum versuche ich jedem einzelnen Projekt zu geben.
Warum jedes Manuskript volle Aufmerksamkeit verdient
Ganz gleich, ob es sich um eines meiner eigenen Bücher handelt oder um ein Herzensprojekt einer Autorin oder eines Autors, jedes Manuskript verdient hundertprozentige Aufmerksamkeit.
Gerade im Lektorat zeigt sich immer wieder, wie viel Vertrauen in einer Zusammenarbeit steckt. Autor:innen geben nicht einfach nur einen Text ab. Sie geben Gedanken, Ideen und oft auch persönliche Themen in fremde Hände. Deshalb endet meine Arbeit selten mit dem Versenden des lektorierten Manuskripts.
Oft entstehen anschließend Gespräche, Rückfragen oder Telefonate, in denen es um viel mehr geht als um einzelne Formulierungen. Gemeinsam wird überlegt, welche Änderungen einer Geschichte wirklich guttun, welche Szenen noch stärker werden können und an welchen Stellen sich Figuren weiterentwickeln dürfen.
Viele Entscheidungen brauchen Zeit, um zu reifen. Gerade deshalb empfinde ich diese begleitenden Gespräche als besonders wertvoll. Sie gehören für mich selbstverständlich zum kreativen Prozess dazu.
Mein Thrillerprojekt: Kleine Änderungen mit großer Wirkung
Parallel dazu laufen natürlich auch meine eigenen Buchprojekte weiter.
Aktuell befindet sich mein Psychthriller in einer intensiven Überarbeitungsphase. Auf den ersten Blick wirken viele Änderungen klein, doch gerade diese Feinheiten ziehen oft große Kreise. Eine Anpassung in einem Kapitel kann Auswirkungen auf viele weitere Szenen haben, weil Figurenentwicklung, Spannungsbogen und Details ineinandergreifen.
Deshalb arbeite ich mich momentan Kapitel für Kapitel durch das Manuskript. Mein Ziel liegt derzeit bei acht Kapiteln pro Woche. Ein ambitionierter Plan, der vor allem Konzentration und Disziplin verlangt.
Überarbeitungen gehören zu den anspruchsvollsten Phasen eines Buchprojekts. Früher habe ich mich so lange davor gedrückt, wie es nur ging. Heute liebe ich diesen Arbeitsprozess. Während der Rohfassung darf eine Geschichte zunächst wachsen. In der Überarbeitung beginnt die eigentliche Feinarbeit. Genau dort entscheidet sich, ob Spannung wirklich trägt und Figuren glaubwürdig wirken.
Isilove Band 2 wartet bereits
Neben dem Thriller begleitet mich natürlich auch die Isilove-Reihe weiter. Band 2 liegt mir besonders am Herzen, weil Kathi als Figur eine ganz eigene Dynamik mitbringt. Sie ist inzwischen auf dem Islandpferdehof angekommen, hat Tim kennengelernt und ihre ersten vorsichtigen Begegnungen mit Stirnir erlebt. Gerade diese leisen Entwicklungen zwischen Unsicherheit, Annäherung und persönlichem Wachstum interessieren mich beim Schreiben besonders.
Die Rohfassung soll spätestens Anfang August abgeschlossen sein. Danach beginnt die nächste wichtige Phase: die Überarbeitung. Bis das Manuskript im September ins Lektorat gehen kann, bleibt also noch einiges zu tun.
Warum auch Band 3 der Isilove-Reihe bereits vorbereitet wird
Wer Buchreihen schreibt, arbeitet selten nur an einem einzigen Band gleichzeitig.
Während Band 2 entsteht, muss Band 3 bereits vorbereitet werden. Schließlich soll die Geschichte weitergehen, Figurenentwicklungen müssen logisch aufgebaut werden und auch der Klappentext für den nächsten Teil wird bereits in Band 2 angekündigt.
Deshalb hat parallel bereits die Plotting-Phase für Band 3 begonnen. Das Treatment steht und langsam beginnt die Geschichte Form anzunehmen. Gleichzeitig befinde ich mich noch mitten in der Phase, in der ich meine Figuren besser kennenlernen möchte. Denn bevor ich schreiben kann, muss ich verstehen, wer diese Menschen eigentlich sind. Welche Konflikte sie in sich tragen. Welche Entscheidungen sie treffen werden. Und welche Entwicklung sie durchlaufen müssen.
Dafür müssen andere Projekte warten
So sehr ich die Vielfalt meiner Projekte liebe, so wichtig ist es auch, Prioritäten zu setzen.
Aktuell bedeutet das leider, dass meine Romance-Reihe vorerst zurückgestellt wird und wahrscheinlich erst 2027 realisiert werden kann. Alles gleichzeitig umzusetzen, würde weder den Geschichten noch mir selbst gerecht werden.
Da der Thriller vorgezogen werden musste und die Isilove-Reihe für mich und meine Leser:innen weiterhin Priorität hat, brauchte es eine bewusste Entscheidung. Solche Entscheidungen gehören ebenfalls zum Autorinnenleben dazu. Auch wenn sie manchmal schwerfallen.
Schreiben allein reicht heute längst nicht mehr aus
Neben all den Buchprojekten darf außerdem ein Bereich nicht vergessen werden, der inzwischen genauso selbstverständlich dazugehört wie das Schreiben selbst: das Marketing.
Blogbeiträge wollen geplant und geschrieben werden. Inhalte für Instagram und Facebook entstehen parallel zum kreativen Alltag. Auch LinkedIn begleitet mich inzwischen regelmäßig als Plattform für meinen Newsletter AutorenKompass, in dem ich Einblicke in meine Arbeit teile.
TikTok hingegen habe ich aktuell etwas zurückgestellt, obwohl ich glaube, dass meine Zielgruppe dort durchaus zu finden wäre. Vielleicht ergibt sich dafür zu einem späteren Zeitpunkt mehr Raum.
Auch meine Newsletter gehören inzwischen fest zu meinem Arbeitsalltag. Wie ihr wisst versende ich drei- bis viermal im Jahr neue Einblicke, Gedanken und Updates zu meinen Projekten. Immer dann, wenn ich wirklich etwas zu erzählen habe.
Zwischen Struktur und Leidenschaft
Je mehr Projekte parallel laufen, desto wichtiger werden klare Strukturen. Gleichzeitig darf die Freude an den Geschichten nicht verloren gehen. Genau darin liegt vermutlich, nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Autor:innen die größte Herausforderung dieses Berufs: den Überblick zu behalten, ohne die Leidenschaft aus den Augen zu verlieren.
Denn letztlich entstehen gute Geschichten dort, wo Aufmerksamkeit, Hingabe und echte Begeisterung zusammenkommen. Deshalb verdient jedes einzelne Buchprojekt seinen eigenen Raum.









