Vom Fohlen zum Reitpferd – was Islandpferde in ihrer Entwicklung wirklich brauchen
Tragezeit, Aufzucht, erste Herausforderungen und warum Geduld für Islandpferde so wichtig ist
26 / 2026
Islandpferde wirken oft robust, stark und erstaunlich gelassen. Wer ihnen begegnet, spürt schnell diese besondere Mischung aus Sensibilität, Neugier und innerer Ruhe. Doch bevor aus einem ausgeglichenen Reitpferd ein verlässlicher Partner wird, liegt ein langer Weg vor ihnen.
Gerade rund um die Geburt und die ersten Lebensjahre tauchen viele Fragen auf:
Wie lange tragen Islandstuten eigentlich? Wann ist ein Islandpferd wirklich erwachsen? Was passiert, wenn ein Fohlen zu schwach ist oder keine Mutter hat? Und warum werden Hengstfohlen häufig früh gelegt?
Wer sich intensiver mit Islandpferden beschäftigt, merkt schnell, wie entscheidend die ersten Lebensjahre für ihre gesamte Entwicklung sind. Denn gerade diese Zeit prägt Gesundheit, Verhalten und Charakter oft stärker, als viele zunächst vermuten.
Wie lange tragen Islandpferde?
Bei Islandpferden liegt die Tragezeit oft eher im oberen Bereich und kann sich unter guten Bedingungen auch bis etwa 360 Tage verlängern. Dabei sind kleinere Abweichungen völlig normal. Manche Stuten fohlen etwas früher, andere lassen sich deutlich mehr Zeit.
Viele erfahrene Züchter:innen beobachten ihre Stuten in den letzten Wochen besonders aufmerksam. Denn gerade kurz vor der Geburt verändert sich häufig vieles gleichzeitig:
- das Euter entwickelt sich stärker
- die Muskulatur rund um Schweif und Becken wird weicher
- die Stute wirkt oft unruhiger oder zieht sich zurück
Trotzdem bleibt die Geburt bei Pferden immer ein sensibles Ereignis. Viele Islandstuten bringen ihre Fohlen problemlos allein zur Welt. Gleichzeitig kann es auch zu Komplikationen kommen, bei denen schnelle Hilfe entscheidend wird.
Die ersten Stunden nach der Geburt
Die ersten Lebensstunden eines Fohlens sind unglaublich wichtig.
Ein gesundes Fohlen versucht meist schon kurz nach der Geburt aufzustehen. Oft dauert es nicht lange, bis die ersten wackeligen Schritte folgen. Auch das Trinken der wichtigen Biestmilch sollte möglichst früh erfolgen, weil sie lebenswichtige Antikörper enthält. Gerade in dieser Phase wird sehr genau beobachtet:
- Steht das Fohlen selbstständig auf?
- Findet es das Euter?
- Trinkt es ausreichend?
- Wirkt es kräftig und aufmerksam?
Denn nicht jedes Fohlen startet problemlos ins Leben. Ein Fohlen sollte innerhalb von etwa zwei Stunden stehen und innerhalb von drei Stunden trinken. Auch der erste Kotabsatz ist ein wichtiger Gesundheitsindikator.
Was passiert, wenn ein Fohlen zu schwach ist?
Manche Fohlen kommen geschwächt zur Welt oder haben Schwierigkeiten aufzustehen und zu trinken. Die Ursachen dafür können unterschiedlich sein:
- schwierige Geburten
- Infektionen
- Sauerstoffmangel
- Frühgeburten
- körperliche Fehlstellungen
- oder einfach ein sehr schwacher Allgemeinzustand
Deshalb sind die ersten Stunden entscheidend. In manchen Fällen braucht ein Fohlen intensive Unterstützung durch Tierärzt:innen und Menschen. Das kann bedeuten:
- Zufüttern mit der Flasche
- Infusionen
- Unterstützung beim Aufstehen
- engmaschige medizinische Kontrolle
Da Fohlen Antikörper nur in den ersten Lebensstunden über die Biestmilch aufnehmen können, ist eine schnelle Versorgung entscheidend. Tierärzt:innen überprüfen dies häufig über einen sogenannten IgG-Test.
Und genau hier zeigt sich oft, wie emotional und belastend Pferdeaufzucht sein kann. Denn trotz aller Erfahrung bleibt jedes Fohlen ein kleines Wunder – und manchmal auch ein Kampf ums Leben, wie ich es Isilove, Band 3 aufgreife.
Kann ein Islandpferd mit der Flasche aufgezogen werden?
Ja, grundsätzlich ist eine Flaschenaufzucht möglich. Normale Milch ist ungeeignet. Verwendet wird spezielle Fohlenmilch, die in kleinen, häufigen Portionen gegeben werden muss. Zum Beispiel dann, wenn:
- die Mutterstute stirbt
- keine Milch produziert
- das Fohlen nicht trinken kann
- oder keine geeignete Ammenstute gefunden wird
Allerdings ist eine Handaufzucht mit enormem Aufwand verbunden.Fohlen müssen in den ersten Wochen sehr häufig trinken. Teilweise alle ein bis zwei Stunden, auch nachts. Gleichzeitig fehlt ihnen bei einer reinen Menschenaufzucht häufig ein wichtiger Teil ihrer sozialen Entwicklung. Denn Pferde lernen unglaublich viel von ihrer Mutter und später von der Herde:
- Sozialverhalten
- Grenzen
- Kommunikation
- Sicherheit
- Rangordnung
Viele Züchter:innen versuchen deshalb zunächst immer eine Ammenstute zu finden.
Warum eine Handaufzucht auch Risiken birgt
So liebevoll Menschen ein Fohlen auch versorgen, sie können eine Pferdeherde niemals vollständig ersetzen.
Besonders problematisch wird es, wenn ein Fohlen zu stark auf Menschen geprägt wird. Manche Flaschenfohlen entwickeln später Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Pferden oder zeigen wenig Respekt gegenüber Menschen.
Deshalb ist es unglaublich wichtig, dass handaufgezogene Fohlen möglichst früh Kontakt zu anderen Pferden bekommen.
Auch gesundheitlich bleibt die Aufzucht anspruchsvoll. Junge Fohlen sind empfindlich und gerade in den ersten Lebensmonaten kann vieles schiefgehen:
- Durchfallerkrankungen
- Parasiten (Wurmbefall)
- Gelenkentzündungen
- Infektionen
- Atemwegserkrankungen
- Fehlstellungen
- Wachstumsprobleme
Regelmäßige tierärztliche Kontrollen und eine gute Beobachtung gehören unbedingt dazu.
Die beste Aufzucht für ein Islandpferd
Islandpferde gelten als besonders robust. Trotzdem entwickeln sie sich am besten unter Bedingungen, die möglichst naturnah sind. Viele Islandpferde wachsen deshalb in Herdenverbänden auf: mit viel Bewegung, frischer Luft und sozialen Kontakten. Die Gruppenhaltung ist für junge Pferde unglaublich wertvoll. Dort lernen sie:
- Kommunikation mit anderen Pferden
- Körpersprache
- Konfliktverhalten
- Selbstbewusstsein
- und soziale Sicherheit
Außerdem stärkt freie Bewegung den gesamten Bewegungsapparat. Knochen, Sehnen und Muskulatur entwickeln sich deutlich gesünder, wenn junge Pferde ausreichend laufen können. Deshalb gelten große Offenstall- oder Weidehaltungen als besonders geeignet für die Aufzucht von Islandpferden. Auch wenn Islandpferde als robust gelten, benötigen wachsende Jungpferde eine bedarfsgerechte Versorgung, insbesondere im Winter.
Wann ist ein Islandpferd erwachsen?
Islandpferde wirken früh erstaunlich souverän. Körperlich und mental sind sie jedoch oft deutlich später ausgereift, als viele vermuten. Zwar gelten andere Pferde rechtlich oft mit etwa drei Jahren als „erwachsen“, tatsächlich befindet sich ihr Körper aber noch lange in Entwicklung. Gerade Islandpferde gehören zu den Spätentwicklern.
Pferde können körperlich bis zum fünften oder sogar sechsten Lebensjahr weiter wachsen. Auch Muskulatur, Balance und mentale Stabilität entwickeln sich über viele Jahre hinweg. Auch wenn das Höhenwachstum oft mit etwa fünf Jahren abgeschlossen ist, entwickelt sich die vollständige Belastbarkeit von Sehnen und Gelenken häufig noch darüber hinaus.
Deshalb profitieren Islandpferde enorm davon, wenn man ihnen ausreichend Zeit gibt.
Wann darf ein Islandpferd eingeritten werden?
Traditionell werden viele Islandpferde zwischen vierjährig angeritten. Allerdings gibt es dabei große Unterschiede.
Immer mehr Menschen achten heute darauf, junge Pferde langsam und schonend auszubilden. Gerade bei Islandpferden ist Geduld besonders wichtig, weil ihr Körper häufig später vollständig belastbar wird. Erste Gewöhnung an Ausrüstung kann früh erfolgen, während das eigentliche Anreiten bewusst schonend gehalten wird. Eine gute Jungpferdeausbildung bedeutet deshalb nicht möglichst frühes Training, sondern:
- ruhiges Kennenlernen
- Vertrauensaufbau
- Bodenarbeit
- Gelassenheit
- kurze Trainingseinheiten
- ausreichend Pausen
Denn langfristig profitieren Pferde viel stärker von einer langsamen und fairen Ausbildung.
Warum werden Hengstfohlen gelegt?
Viele Hengstfohlen werden ab etwa einem Jahr kastriert, häufig aber auch später, je nach Entwicklung, Haltung und individuellem Temperament. Das geschieht aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen wird die Haltung dadurch oft deutlich einfacher. Hengste entwickeln mit zunehmendem Alter hormonell bedingtes Verhalten, das in gemischten Herden schnell zu Problemen führen kann. Zum anderen können Wallache meist unkomplizierter in Gruppen gehalten werden.
Auch gesundheitliche oder züchterische Gründe spielen manchmal eine Rolle. Nicht jeder Hengst eignet sich später für die Zucht. Durch die Kastration wird daher bewusst entschieden, welche Pferde als zukünftige Zuchthengste infrage kommen.
Der Eingriff selbst wird heutzutage routinemäßig durchgeführt, bleibt aber natürlich trotzdem ein medizinischer Eingriff, der gut begleitet werden sollte. Frühkastration vs. Spätkastration hat Auswirkungen auf Verhalten und Körperentwicklung.
Warum Geduld bei Islandpferden so wichtig ist
Wer Islandpferde über längere Zeit begleitet, merkt schnell: Diese Pferde entwickeln sich oft langsamer – dafür aber unglaublich nachhaltig. Viele Eigenschaften, die wir später an ihnen schätzen, entstehen nicht durch frühe Leistung, sondern durch Zeit:
- Trittsicherheit
- Gelassenheit
- Vertrauen
- mentale Stärke
- stabile Bewegungen
Gerade deshalb ist Geduld wahrscheinlich einer der wichtigsten Bestandteile einer guten Aufzucht. Denn junge Pferde brauchen keine Perfektion. Sie brauchen Sicherheit, Bewegung, Sozialkontakt und Menschen, die bereit sind, ihre Entwicklung in Ruhe wachsen zu lassen.
Zwischen Verantwortung und Vertrauen
Die Aufzucht eines Islandpferdes ist weit mehr als nur Versorgung. Sie bedeutet Verantwortung für ein Lebewesen, das sich über viele Jahre hinweg entwickelt. Gleichzeitig gehört auch Vertrauen dazu, in die Zeit, in die Entwicklung und in das Wesen dieser besonderen Pferde.
Vielleicht liegt genau darin die Faszination an Islandpferden. Sie tragen nicht nur Menschen durch Landschaften.
Sie begleiten oft auch persönliche Entwicklungen: geduldig und mit einer erstaunlichen Klarheit.
Ein Blick hinter die Kulissen
Während ich mich intensiv mit der Entwicklung von Islandpferden beschäftige, hat diese Recherche auch einen ganz konkreten Hintergrund. In meinem dritten Band der Isilove-Reihe spielt ein ganz besonderes kleines Wesen eine zentrale Rolle: Tandri, ein frisch geborenes Islandpferde-Fohlen.
Seine ersten Schritte, die Bindung zur Mutterstute und die Herausforderungen der ersten Lebensmonate sind ein wichtiger Teil der Geschichte. Deshalb tauche ich aktuell so tief in Themen wie Geburt, Aufzucht und Entwicklung ein – und nehme dich hier schon ein Stück mit auf diese Reise.
„Isilove – Zurück zu mir“ erscheint voraussichtlich im November 2027 und verbindet emotionale Entwicklung mit der besonderen Welt der Islandpferde. Wenn du also nicht nur fachlich, sondern auch erzählerisch in diese Welt eintauchen möchtest, lohnt es sich, dranzubleiben. Trag dich hier ein und sei bei Tandris erstem Auftritt von Anfang an dabei: Newsletter
Häufige Fragen rund um Islandfohlen und Aufzucht
Wie lange ist ein Islandpfer bei seiner Mutter?
Viele Fohlen bleiben etwa sechs bis acht Monate bei der Mutterstute, manchmal auch länger. In naturnaher oder extensiver Haltung bleiben Fohlen teilweise auch länger bei der Mutter.
Sind Islandpferde Spätentwickler?
Ja. Islandpferde entwickeln sich körperlich und mental langsamer als andere Pferderassen.
Können Islandfohlen draußen gehalten werden?
Ja, eine naturnahe Haltung mit viel Bewegung und Herdenkontakt gilt sogar als besonders wichtig.
Wann beginnt die Ausbildung eines Islandpferdes?
Meist zwischen drei und vier Jahren. Idealerweise langsam und angepasst an die individuelle Entwicklung.
Was passiert, wenn ein fohlen keine Mutter hat?
Dann wird häufig versucht, eine Ammenstute zu finden. Falls das nicht möglich ist, kann eine intensive Flaschenaufzucht notwendig werden.









