Bipolar – Durch die Augen eines Islandpferdes

Tami Leysing • 29. September 2025

Bipolar – Durch die Augen eines Islandpferdes

 40/2025

Zwischen den Welten – Durch die Augen eines Islandpferdes

Der Wirbel im Kopf – die Hypomanie
Sie kommt mit flatternden Bewegungen. Ihre Schritte klingen schnell, zu schnell für diesen stillen Morgen. Ihre Stimme ist hell, sie redet mit mir und gleichzeitig mit zwei anderen Reiterinnen, die sich fragwürdige Blicke zuwerfen. Ihre Hände streifen über mein Fell, doch sie berühren mich nicht wirklich. Ich spüre: Sie ist nicht bei mir. Ich hebe den Kopf, meine Ohren zucken. Ihre Energie fließt in mich hinein, wie zu viel Strom in eine überlastete Leitung. Ich kann nicht abschalten. Ich will folgen, doch es gibt keinen Takt, kein Ziel, keine Richtung. Alles in ihr flimmert. Ich werde nervös. Beim Aufsteigen hält sie die Zügel unruhig. Der Druck ist kaum auszuhalten. Ihre Beine klammern, dann lassen sie los. Ich verstehe sie nicht. Hitze durchdringt mich. Schweiß rinnt mir über das Fell. Ich fange an, mich selbst zu verlieren. Ein Geräusch im Gebüsch, sonst nichts. Doch ich kann nicht mehr klar denken. Ihre Unruhe lebt jetzt in mir. Ich galoppiere an, stürme los, fliehe vor dem Chaos, das sie auf mich überträgt. Auf mir nur ihr Rufen, schrill, durchdringend, voller Verzweiflung. Ich höre es, aber ich kann nicht anhalten. Nicht jetzt. Ich, nein sie – bringt uns beide in Gefahr.

Das Leere-Zeichen – Depression
Heute ist sie langsam. Ihre Schritte versinken im Kies wie bleierne Klötze. Kein Flattern, kein Leuchten in ihren Augen. Nur Schatten. Ihre Hand liegt auf meinem Hals, schwer wie nasser Schnee. Ich blinzle und warte auf ein Zeichen. Es kommt keines. Sie steigt auf, mechanisch, ohne Kraft. Ihr Körper ruht auf mir, doch ich kann sie nicht spüren. Ich trage sie. Langsam. Bedächtig. Jeder Schritt fühlt sich an, als würde ich durch dichten Nebel gehen, der mich nicht atmen lässt. Ich will sie spüren, sehen, ob sie noch da ist. Alles in mir ist unsicher, doch ich bleibe ruhig. Für sie. Die Zügel hängen schlaff. Kein Impuls von ihr, der mir die Richtung aufzeigt. Ihr Gewicht lastet orientierungslos auf meinem Rücken. Ich werde zur Führerin, nicht weil ich es möchte, sondern weil ich muss. Meine Dynamik ist jetzt ihre Dynamik. Ich wähle den Weg, den einfachsten, den sichersten. Für uns beide. Manchmal sackt sie leicht mit dem Oberkörper nach vorne. Ich halte dagegen und muss das Gleichgewicht halten, für uns beide. Manchmal flüstert sie etwas. Worte ohne Klang. Ich spüre ihren Schmerz wie ein dumpfes Echo in meiner Brust. Ich trage uns weiter. 
    
Der Schatten zwischen uns – Wechselspiel
Die Luft ist anders heute. Sie lächelt, als sie kommt. Mein Gefühl sagt, sie ist lebendig. Ihre Stimme ist klar, ihr Blick hell. Ich wiehre leise zur Begrüßung. Vielleicht ist heute ein guter Tag. Vielleicht. Doch kaum sind wir unterwegs, wird ihr Blick glasig. Ihre Schultern sinken, ihre Energie fällt in sich zusammen. Ich halte an. Warte. Mir fehlen die klaren Hilfen. Ihre Hand streichelt meinen Hals, dann zieht sie sich zurück, als hätte sie sich verbrannt. Ich verstehe nicht. Sie seufzt. Wenig später redet sie wieder viel zu schnell. Erzählt mir von Dingen, die ich nicht sehen kann. Ich trabe an, unsicher. Ihr Körper folgt, dann fällt er wieder in sich zusammen. Nichts ist klar. Alles schwankt. Ich werde vorsichtig. Jeder Schritt ist ein Test, ob sie uns heute gewachsen ist. Jeder Atemzug ein Spiegel ihrer Stimmung. Ich möchte helfen, doch meine Sprache ist zu still für ihren Sturm. Also bleibe ich da. Sie weint. Ich drehe den Kopf, stupse sie leicht mit den Nüstern am Bein. Sie lächelt durch die Tränen. Für einen Moment sind wir beide nur füreinander da. Doch ich sehne mich nach der Sicherheit in meiner Herde. 
    
Ein Moment von Nähe – Akzeptanz
Sie kommt leise. Setzt sich zu mir auf die Weide. Ohne Halfter und wie ich fühlen kann auch ohne Absicht. Ein Moment von Nähe und Akzeptanz für uns beide. Ihre Gegenwart ist sanft, aber echt und das ist genug. Nur sie in ihrer reinsten Form zum ersten Mal seit Langem. Wir ergreifen die Chance, finden einander in einem Blick und unsere Energien können sich verbinden, sie ergeben eine Synergie. Ich schnaube leise. Ihre Schultern entspannen sich. Ihre Hände ruhen offen auf ihren Knien. Ich trete näher und finde tiefe Zuneigung. Ihre Ausstrahlung ist rein und unmissverständlich klar, die Augen spiegeln unsere Verbundenheit und das Vertrauen. Sie schaut mich an, wirklich. Heute kann sie mir tief ins Herz blicken. Nicht durch mich hindurch. Heute ist Platz für mich, in ihren Gefühlen und in ihrem Verstand. Sie ist ganz bei mir. Ihre Worte sind einfühlsam und wach. Ich strecke den Hals, berühre ihre Stirn. Sie schließt die Augen und atmet tief ein und aus. Heute braucht sie nichts von mir. Keine Leistung, keine Ausgeglichenheit. Nur meine Nähe. Ich bleibe. Weil sie bleibt. Sie sitzt im Gras. Ich stehe dicht bei ihr, kann ihren gleichmäßigen Atem hören, ihren Herzschlag. Sie streckt die Hand nach mir aus, berührt mich. Ich schließe die Augen und senke den Kopf. Die Welt ist nicht leichter geworden. Aber sie ist da. Ich auch. Und das reicht mir für diesen Moment. Ich genieße ihn und hoffe, dass ihre Stabilität so lange wie möglich anhält. Ich brauche sie, in dieser Beständigkeit. Obwohl ich weiß, dass es nicht anhalten wird, dass es vergänglich ist. Ich sauge diesen Augenblick in mich auf. Wer weiß, wann er wieder kommt und wie lange er bleiben wird. Er ist so wunderschön!

Persönlicher Nachklang


Wenn ich diese Art von Texten veröffentliche, denke ich lange darüber nach: Sie zeigen eine verletzliche Seite meiner Persönlichkeit, die ich viele Jahre verborgen hielt. Meine bipolare Störung wurde spät erkannt. Darum stehe ich bis heute in einem ambivalenten Verhältnis zu Medikamenten. Ich kenne ihre Wirkung – sie haben mich getragen, als nichts anderes mehr möglich war. Sie gaben mir Stabilität, hielten mich am Leben. Und doch dämpfen sie auch jene mutige, kreative Macherin in mir, die über Grenzen hinweg ihre Visionen verfolgt.

Es hat lange gebraucht, bis ich Freundschaft und Akzeptanz mit den unvorhersehbaren Höhen, Tiefen und gemischten Episoden schließen konnte. Wenn Anspannung und Erschöpfung zeitgleich Dimensionen erreichen, die nicht mehr in Worte zu fassen sind, will ich doch niemals aufgeben. Immer wieder versuche ich, mir ohne Chemie jene innere Balance zu geben, die ich brauche – und die unsere Gesellschaft zugleich erwartet.

Das Schreiben und das Reiten sind für mich tragende Pfeiler geworden. Sie schenken mir Orientierung, Halt und Leitplanken, ungeachtet aller Zustände. Sie geben mir Kraft – so wie die Menschen, die mich mit allen Facetten meiner inneren Welt lieben und unterstützen. Genau diese Facetten verleihen meinem Schreiben Tiefe. Weil ich mit allen Emotionen des Lebens gerungen habe, kann ich sie in meinen Szenen abrufen und ihnen Ausdruck verleihen.

Und ich möchte anderen damit Mut machen: In neurodivergenten Menschen steckt so viel Potenzial. Suche nach diesen Fähigkeiten – sie sind da, tief in dir. Daran glaube ich fest.

In Dankbarkeit für das Leben
Tami


💛 Du bist nicht allein.
Die Höhen und Tiefen der Bipolaren Störung können unendlich herausfordernd sein – und doch gibt es Wege, Halt und Unterstützung zu finden. Die
Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V. (DGBS) begleitet Betroffene und Angehörige mit Informationen, Austausch und Selbsthilfeangeboten:
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https://dgbs.de/

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Was dich erwartet: Verständliche, emotionale Sprache Starke, aber nahbare Heldinnen Themen wie Selbstzweifel, Zukunftsentscheidungen und erste große Gefühle Keine überfordernden expliziten Inhalte Emotionale Tiefe ohne Überdramatisierung Perfekt für junge Leser:innen – und für alle, die Pferdegeschichten mit Herz lieben. Muss ich die ISILOVE-Reihe in der richtigen Reihenfolge lesen? Kurzantwort Nein. Jeder Band ist eigenständig lesbar. Wichtig zu wissen: Jede Geschichte hat eine eigene Protagonistin Jede Story hat einen abgeschlossenen Konflikt Das verbindende Element ist der Islandpferdehof Litliheimar Manchmal tauchen bekannte Figuren wieder auf Kein Vorwissen nötig Du kannst mit dem Band starten, dessen Klappentext dich am meisten anspricht. Was macht einen guten Coming-of-Age-Roman aus? Eine Figur wächst über sich hinaus, durch Entscheidungen, Fehler und Mut. Typische Merkmale: Innere Konflikte Identitätsfindung Erste Liebe Konflikte mit Eltern oder Umfeld Ein Wendepunkt, der alles verändert In ISILOVE bedeutet das: In „Geh deinen Weg“ kämpft Hanna gegen Erwartungsdruck. In „Nah am Abgrund“ muss Kathi Verantwortung übernehmen. Coming-of-Age bedeutet nicht Perfektion, sondern Entwicklung. Was unterscheidet Jugendbuch von Young Adult? Jugendbuch ist oft zugänglicher, Young Adult emotional intensiver: ISILOVE verbindet beides. Jugendbuch: Frühe Teenjahre Leicht zugängliche Sprache Erste große Konflikte Young Adult: Intensivere Gefühlswelten Identitäts- und Zukunftsfragen Beziehungsdynamiken ISILOVE: Jugendbuch mit YA-Tiefe. Ideal für Leser:innen zwischen 10 und 18 und darüber hinaus. Welche Themen behandelt „Isilove – Geh deinen Weg“? Kurzantwort Träume vs. Erwartungen und der Mut, sich selbst treu zu bleiben. Zentrale Themen: Druck der Eltern Erste große Liebe Berufswunsch Pferdewirtin Finanzielle Eigenständigkeit Selbstbestimmung Für alle, die schon einmal gehört haben: „Das schaffst du nicht.“ Welche Themen behandelt „Isilove – Nah am Abgrund“? Kurzantwort Fehler, Konsequenzen und die Frage: Wer will ich wirklich sein? Zentrale Themen: Außenseiterin sein Drogenfund und Sozialstunden Neuanfang auf einem Pferdehof Rivalität und Eifersucht Vertrauen lernen Ein intensiver Band für alle, die Geschichten mit Kante lieben. Muss ich Pferdewissen haben, um ISILOVE zu lesen? Kurzantwort Nein, aber Pferdeliebhaber:innen werden viele Details wiedererkennen. Für Pferdefans: Stallalltag Verantwortung für ein eigenes Pferd Emotionale Bindung Islandpferde-Atmosphäre Für Nicht-Pferdefans: Fokus liegt auf den Figuren Konflikte sind universell Pferde sind Spiegel der Gefühle Pferde sind das Herz, aber lange nicht der Kern der Geschichten. Warum sind Pferdehof-Romane so beliebt? Kurzantwort Weil sie Geborgenheit und Drama perfekt verbinden. Was Leser:innen lieben: Natur & Waldrand-Atmosphäre Freundschaft & Herdengefühl Bindung zwischen Mensch und Pferd Flucht aus dem Alltag Besonderheit bei ISILOVE: Islandpferdehof Litliheimar in Bayern, mit ganz eigener Stimmung. Pferdegeschichten sind emotionale Heimat. Wie viel Romantik steckt in ISILOVE? Kurzantwort Romantik spielt eine große Rolle, ersetzt aber nie die persönliche Entwicklung. Wichtig: Liebe ist Auslöser, nicht Lösung Konflikte bleiben realistisch Heldinnen müssen selbst handeln Gefühle sind intensiv und glaubwürdig Herzklopfen ja, Kitsch nein. Gibt es sensible Themen? Kurzantwort Ganz klar, ja! Themen, auch für künftige Bände können sein: Drogenkonsequenzen Außenseitererfahrungen Familiärer Druck Selbstzweifel Esstörung Mobbing Schuldgefühle Geschwisterkonflikt Armut und Ausgrenzung Warum das wichtig ist: Weil echte Entwicklung oft dort beginnt, wo es weh tut. Daher sind meine Geschichten immer emotional, aber auch hoffnungsvoll. Für wen ist die ISILOVE-Reihe besonders geeignet? Ideal für: Pferdemädchen ab 10 Teenager in Umbruchphasen Leser:innen, die starke Heldinnen mögen Fans von Coming-of-Age & Romance Pferdefrauen, die emotionale Geschichten lieben Wenn du Pferde + Gefühl + Selbstfindung magst, bist du hier richtig. Wie finde ich heraus, ob ISILOVE mein Buch ist? Der Mini-Selbsttest: Wenn du mindestens zwei Aussagen fühlst, passt die Reihe zu dir: Ich liebe Pferdegeschichten. Ich mag starke Mädchenfiguren. Ich lese gern über erste große Liebe. Ich suche Geschichten über Mut und Selbstbestimmung. Ich will Bücher, die Hoffnung machen. ISILOVE ist für alle, die ihren eigenen Weg suchen oder gerade dabei sind, ihn zu finden. Die ISILOVE-Reihe erzählt eigenständige Geschichten starker junger Frauen, verbunden durch den Islandpferdehof Litliheimar. Du kannst mit jedem Band starten. Vielleicht erkennst du dich in Hanna wieder. Vielleicht mehr in Kathi. Vielleicht wartet deine Lieblingsfigur erst im nächsten Band. Welcher Band spricht dich gerade am meisten an? Entdecke die Reihe hier: Isilove-Reihe
von Tami Leysing 17. Februar 2026
08/26 Isilove – Geh deinen Weg: Ein Islandpferde Jugendroman über Selbstfindung, erste Liebe und den Mut, den eigenen Weg zu gehen Mit Isilove – Geh deinen Weg ist ein Islandpferd Jugendroman entstanden, der weit mehr erzählt als eine Geschichte über Pferde. Es ist ein Coming-of-Age Roman über Selbstfindung, Freundschaft, Leistungsdruck, erste Liebe – und über die leise, aber kraftvolle Entscheidung, auf das eigene Herz zu hören. Als ich dieses Pferdebuch für Mädchen ab 12 geschrieben habe, war mir eines besonders wichtig: Ich wollte keine perfekte Heldin erschaffen. Ich wollte eine Figur, die zweifelt. Die Fehler macht. Die sich täuscht. Und die trotzdem den Mut findet, aufzustehen und weiterzugehen. Hanna ist sechzehn Jahre alt und steht an einem Wendepunkt ihres Lebens.