Warum wir unsere Werke nicht loslassen können: Perfektion als kreative Sackgasse

Tami Leysing • 24. Juni 2025

Warum wir unsere Werke nicht loslassen können: Perfektion als kreative Sackgasse

26/2025

Das Dilemma der Perfektion

„Ihr seid unfähig, Produkte auszuliefern, die nicht perfekt sind.“
Dieser Satz, der häufig im Kontext von Produktentwicklung, Design oder Softwareentwicklung zitiert wird, ist kein berühmtes Zitat einer einzelnen Persönlichkeit, sondern vielmehr ein Ausdruck einer weitverbreiteten Haltung – einer Haltung, die auch viele Autor:innen und Kreative betrifft. Aber was verbirgt sich hinter diesen Worten und warum trifft mich dieser Satz wie ein Faustschlag in den Magen?

Und wie kann man diesen Satz auf das Schreiben übertragen, insbesondere auf die Situation, wenn ein Buch jahrelang nicht veröffentlicht wird? 

In den letzten sechs Jahren entstanden sieben Manuskripte. Als Debüt entschied ich mich für das dritte: den Auftakt einer Jugendbuch-Reihe, der nun in die finale Phase der Veröffentlichung geht. War das Zögern Zeitverschwendung? Lähmten mich zu hohe Ansprüche? Oder folgte ich richtig meinem Instinkt, der mir erst jetzt zuflüstert: Dies ist dein Moment?

Ihr seht, ich habe mich intensiv mit dem Thema befasst und falls Ihr Lust habt, mir zu folgen, lest gerne weiter: 

1. Die Suche nach der Quelle: Wer hat das gesagt?

Zunächst zur Herkunft: Das Zitat lässt sich keinem berühmten Denker, Autor oder Unternehmer eindeutig zuordnen. Vielmehr ist es ein typischer Spruch aus dem agilen Management und der Startup-Szene. In ähnlicher Form taucht es in Diskussionen rund um das „Minimum Viable Product“ (MVP) auf – also das kleinstmögliche, funktionierende Produkt, das frühzeitig auf den Markt gebracht wird, um Feedback zu erhalten.
Im Kern steckt dahinter die Kritik an Perfektionismus: Wer immer nur auf das perfekte Produkt wartet, liefert nie aus. Steve Jobs, Elon Musk oder auch Jeff Bezos haben ähnliche Aussagen getroffen, doch das konkrete Zitat ist ein geflügeltes Wort vieler Coaches und Berater.

2. Die tiefere Bedeutung: Perfektionismus als Innovationsbremse

Was bedeutet dieser Satz wirklich? Im Kern geht es um Perfektionismus – und dessen Schattenseiten. Die Angst, etwas Unvollkommenes zu veröffentlichen, führt dazu, dass Projekte nie das Licht der Welt erblicken. In der Wirtschaft spricht man von „Paralysis by Analysis“: Die ständige Analyse und Verbesserung verhindern das Handeln.

Die tiefergehende Bedeutung:
  • Angst vor Fehlern: Perfektionismus entspringt oft der Angst vor Kritik, Ablehnung oder Misserfolg.
  • Kontrollbedürfnis: Alles kontrollieren zu wollen, blockiert den kreativen Fluss.
  • Vergleich mit anderen: Der Blick auf scheinbar perfekte Werke anderer verstärkt den eigenen Anspruch.
  • Verlust von Chancen: Wer nicht ausliefert, bekommt kein Feedback – und entwickelt sich nicht weiter.

3. Die Übertragung aufs Schreiben: Vier Jahre für ein Buch

Viele Autor:innen kennen das: Das Manuskript ist fast fertig, aber irgendetwas hält einen davon ab, es zu veröffentlichen. Noch eine Überarbeitung, noch ein Feinschliff – und plötzlich sind vier Jahre vergangen.

Warum passiert das?
  • Das eigene Werk als Teil der Identität: Ein Buch ist persönlich. Kritik fühlt sich an wie Kritik an der eigenen Person.
  • Angst vor dem Urteil der Öffentlichkeit: Was, wenn es niemandem gefällt?
  • Der Mythos vom perfekten Buch: Es gibt immer noch etwas zu verbessern.
Doch was geht dabei verloren?
  • Leser:innen, die auf genau dieses Buch warten.
  • Die Chance auf Entwicklung durch Feedback.
  • Die Freude am Abschluss eines kreativen Prozesses.
Erst letzte Woche habe ich das Buch Nur Mut! Von Margit Heumann gelesen. Auch sie erkundet mit anderen Autorinnen intensiv den Prozess des Schreibens von Büchern. Dabei geht es um Erfahrungsberichte aktiver Autorinnen, die einen Einblick geben, in Herausforderungen und Chancen.

4. Eigene Erkenntnisse und Selbstreflexion

Ich selbst verbrachte Jahre damit, zu schreiben, ohne den Prozess bis zur Veröffentlichung zu vollenden. Immer wieder habe ich neue Kapitel geschrieben, alte verworfen, Sätze umgestellt, Wörter getauscht. Die Angst, nicht gut genug zu sein, war mein ständiger Begleiter.

Was habe ich daraus gelernt?
  • Perfektion ist eine Illusion: Es wird nie den perfekten Moment geben, nie das perfekte Buch. Ich muss nicht nur den Gedanken, sondern auch dieses Gefühl zulassen!
  • Veröffentlichung ist ein Lernprozess: Erst durch das Teilen entsteht Entwicklung – im Text und in mir selbst. Also tue ich es jetzt!
  • Mut zur Lücke: Fehler sind keine Katastrophe, sondern Chancen zur Verbesserung. Und ich werde dazu stehen!
Ein Perspektivwechsel:
Stell dir vor, dein Buch ist ein Geschenk. Würdest du es jahrelang zurückhalten, nur weil das Geschenkpapier nicht perfekt ist? Oder würdest du es lieber überreichen, damit es Freude bereitet – auch wenn die Schleife etwas schief sitzt?

5. Konkrete Tipps für Schreibende: Wie du den Perfektionismus überwindest

Versprochen, jeden einzelnen Tipp werde ich mir selbst auf die Fahne schreiben!

1. Setze dir eine Deadline
Bestimme einen festen Veröffentlichungstermin. Das schafft Verbindlichkeit und verhindert endloses Überarbeiten.

2. Arbeite mit Testleser:innen
Hol dir frühzeitig Feedback. Andere sehen oft Stärken, die du selbst nicht mehr wahrnimmst – und helfen, blinde Flecken zu erkennen.

3. Akzeptiere das Unvollkommene
Kein Buch ist perfekt. Auch Bestseller haben Fehler. Sieh dein Werk als Momentaufnahme deiner Entwicklung.

4. Erkenne den Wert deines Buches
Deine Geschichte, deine Perspektive ist einzigartig. Sie verdient es, gelesen zu werden – auch wenn sie nicht makellos ist.

5. Feiere den Abschluss
Veröffentlichen ist ein Erfolg! Nimm dir Zeit, stolz auf dich zu sein, statt sofort an die nächste Überarbeitung zu denken.

6. Das Geschenk der Unvollkommenheit

„Ihr seid unfähig, Produkte auszuliefern, die nicht perfekt sind.“
Dieser Satz ist kein Vorwurf, sondern eine Einladung zur Selbstreflexion. Er fordert uns auf, den Mut zu haben, unsere Werke zu teilen, trotz aller Zweifel und Unvollkommenheiten.

Gerade für Autor:innen, ist das Loslassen ein wichtiger Schritt. Denn nur, wenn wir unsere Geschichten in die Welt bringen, können sie wirken, berühren und inspirieren.

Mein Appell an dich und an mich selbst:
Hab den Mut, dein Buch zu veröffentlichen. Nicht, weil es perfekt ist, sondern weil es echt ist. Denn das ist es, was Leser:innen wirklich berührt.

Was denkst du darüber? Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Teile deine Gedanken und lass uns gemeinsam den Perfektionismus überwinden!

von Tami Leysing 7. Juli 2026
Hinter Wut, Trotz und Coolness stecken oft verletzte Herzen
von Tami Leysing 7. Juni 2026
Tragezeit, Aufzucht, erste Herausforderungen und warum Geduld für Islandpferde so wichtig ist
von Tami Leysing 27. Mai 2026
Warum viele Autor:innen genau an diesem Punkt feststecken und woran du erkennst, dass dein Buch bereit für professionelle Unterstützung ist
von Tami Leysing 26. Mai 2026
Warum kreatives Arbeiten weit mehr ist als Schreiben und jedes Buchprojekt volle Aufmerksamkeit verdient
Holzfiguren in bunten Farben, mit dem Text: die Entstehungsgeschichte meiner Figuren
von Tami Leysing 29. April 2026
Wie entstehen Figuren? Erfahre, wie echte Begegnungen mit Islandpferden die Isilove-Reihe geprägt haben und warum Geschichten aus dem Leben wachsen.
Junge Frau mit Büchern lächelt in die Kamera, dazu der Text: „Selbstvertrauen entsteht im Tun, nicht
von Tami Leysing 12. April 2026
Jugendbücher mit Islandpferden: Erfahre, wie sie Selbstvertrauen stärken, Verantwortung vermitteln und junge Leser:innen auf ihrem eigenen Weg begleiten.
von Tami Leysing 18. März 2026
14/2026 Viele Autor:innen glauben, Spannung entstehe nur durch Verfolgungsjagden, Explosionen oder dramatische Wendungen. Doch die Wahrheit ist: Die stärkste Spannung entsteht oft dort, wo scheinbar „nichts“ passiert. In Blicken. In unausgesprochenen Gedanken. In Entscheidungen, die noch nicht getroffen wurden. Wenn du lernst, Spannung ohne Action zu erzeugen, schaffst du Geschichten, die Leser:innen wirklich fesseln – weil sie emotional involviert sind.
von Tami Leysing 11. März 2026
12/2026 Obsessive Liebe ist ein faszinierendes, aber auch gefährliches psychologisches Phänomen. Wenn der Wunsch entsteht, einen Menschen ganz für sich allein zu besitzen, können toxische Dynamiken entstehen. In diesem Beitrag erfährst du, wie sich obsessive Anziehung entwickelt und warum dieses Thema eine zentrale Rolle in meinem Psychothriller Harsardspiel – Im Netz der Begierde spielt.
von Tami Leysing 11. März 2026
10/2026 Du suchst ein Jugendbuch mit Pferden, großen Gefühlen und einer starken Heldin? Du liebst Coming-of-Age-Romane über Selbstfindung, erste Liebe und den Mut, den eigenen Weg zu gehen? Dann bist du hier genau richtig. In diesem Beitrag beantworte ich die 12 häufigsten Fragen zu Jugendbüchern, Young Adult und meiner Pferderoman-Reihe ISILOVE: ehrlich, ausführlich und mit Blick auf das, was Leserinnen und Leser wirklich bewegt. Alle Bände spielen auf dem Islandpferdehof Litliheimar in Bayern, aber: Jeder Band ist unabhängig lesbar. Jede Geschichte hat ihre eigene Protagonistin. Du kannst mit jedem Band einsteigen. Vielleicht begegnen dir bekannte Figuren – aber jede Story steht für sich. Ab welchem Alter sind die ISILOVE-Bücher geeignet? ISILOVE ist ein Jugendbuch ab etwa 10-12 Jahren, spricht aber auch ältere Teens und erwachsene Pferdefrauen an. Was dich erwartet: Verständliche, emotionale Sprache Starke, aber nahbare Heldinnen Themen wie Selbstzweifel, Zukunftsentscheidungen und erste große Gefühle Keine überfordernden expliziten Inhalte Emotionale Tiefe ohne Überdramatisierung Perfekt für junge Leser:innen – und für alle, die Pferdegeschichten mit Herz lieben. Muss ich die ISILOVE-Reihe in der richtigen Reihenfolge lesen? Kurzantwort Nein. Jeder Band ist eigenständig lesbar. Wichtig zu wissen: Jede Geschichte hat eine eigene Protagonistin Jede Story hat einen abgeschlossenen Konflikt Das verbindende Element ist der Islandpferdehof Litliheimar Manchmal tauchen bekannte Figuren wieder auf Kein Vorwissen nötig Du kannst mit dem Band starten, dessen Klappentext dich am meisten anspricht. Was macht einen guten Coming-of-Age-Roman aus? Eine Figur wächst über sich hinaus, durch Entscheidungen, Fehler und Mut. Typische Merkmale: Innere Konflikte Identitätsfindung Erste Liebe Konflikte mit Eltern oder Umfeld Ein Wendepunkt, der alles verändert In ISILOVE bedeutet das: In „Geh deinen Weg“ kämpft Hanna gegen Erwartungsdruck. In „Nah am Abgrund“ muss Kathi Verantwortung übernehmen. Coming-of-Age bedeutet nicht Perfektion, sondern Entwicklung. Was unterscheidet Jugendbuch von Young Adult? Jugendbuch ist oft zugänglicher, Young Adult emotional intensiver: ISILOVE verbindet beides. Jugendbuch: Frühe Teenjahre Leicht zugängliche Sprache Erste große Konflikte Young Adult: Intensivere Gefühlswelten Identitäts- und Zukunftsfragen Beziehungsdynamiken ISILOVE: Jugendbuch mit YA-Tiefe. Ideal für Leser:innen zwischen 10 und 18 und darüber hinaus. Welche Themen behandelt „Isilove – Geh deinen Weg“? Kurzantwort Träume vs. Erwartungen und der Mut, sich selbst treu zu bleiben. Zentrale Themen: Druck der Eltern Erste große Liebe Berufswunsch Pferdewirtin Finanzielle Eigenständigkeit Selbstbestimmung Für alle, die schon einmal gehört haben: „Das schaffst du nicht.“ Welche Themen behandelt „Isilove – Nah am Abgrund“? Kurzantwort Fehler, Konsequenzen und die Frage: Wer will ich wirklich sein? Zentrale Themen: Außenseiterin sein Drogenfund und Sozialstunden Neuanfang auf einem Pferdehof Rivalität und Eifersucht Vertrauen lernen Ein intensiver Band für alle, die Geschichten mit Kante lieben. Muss ich Pferdewissen haben, um ISILOVE zu lesen? Kurzantwort Nein, aber Pferdeliebhaber:innen werden viele Details wiedererkennen. Für Pferdefans: Stallalltag Verantwortung für ein eigenes Pferd Emotionale Bindung Islandpferde-Atmosphäre Für Nicht-Pferdefans: Fokus liegt auf den Figuren Konflikte sind universell Pferde sind Spiegel der Gefühle Pferde sind das Herz, aber lange nicht der Kern der Geschichten. Warum sind Pferdehof-Romane so beliebt? Kurzantwort Weil sie Geborgenheit und Drama perfekt verbinden. Was Leser:innen lieben: Natur & Waldrand-Atmosphäre Freundschaft & Herdengefühl Bindung zwischen Mensch und Pferd Flucht aus dem Alltag Besonderheit bei ISILOVE: Islandpferdehof Litliheimar in Bayern, mit ganz eigener Stimmung. Pferdegeschichten sind emotionale Heimat. Wie viel Romantik steckt in ISILOVE? Kurzantwort Romantik spielt eine große Rolle, ersetzt aber nie die persönliche Entwicklung. Wichtig: Liebe ist Auslöser, nicht Lösung Konflikte bleiben realistisch Heldinnen müssen selbst handeln Gefühle sind intensiv und glaubwürdig Herzklopfen ja, Kitsch nein. Gibt es sensible Themen? Kurzantwort Ganz klar, ja! Themen, auch für künftige Bände können sein: Drogenkonsequenzen Außenseitererfahrungen Familiärer Druck Selbstzweifel Esstörung Mobbing Schuldgefühle Geschwisterkonflikt Armut und Ausgrenzung Warum das wichtig ist: Weil echte Entwicklung oft dort beginnt, wo es weh tut. Daher sind meine Geschichten immer emotional, aber auch hoffnungsvoll. Für wen ist die ISILOVE-Reihe besonders geeignet? Ideal für: Pferdemädchen ab 10 Teenager in Umbruchphasen Leser:innen, die starke Heldinnen mögen Fans von Coming-of-Age & Romance Pferdefrauen, die emotionale Geschichten lieben Wenn du Pferde + Gefühl + Selbstfindung magst, bist du hier richtig. Wie finde ich heraus, ob ISILOVE mein Buch ist? Der Mini-Selbsttest: Wenn du mindestens zwei Aussagen fühlst, passt die Reihe zu dir: Ich liebe Pferdegeschichten. Ich mag starke Mädchenfiguren. Ich lese gern über erste große Liebe. Ich suche Geschichten über Mut und Selbstbestimmung. Ich will Bücher, die Hoffnung machen. ISILOVE ist für alle, die ihren eigenen Weg suchen oder gerade dabei sind, ihn zu finden. Die ISILOVE-Reihe erzählt eigenständige Geschichten starker junger Frauen, verbunden durch den Islandpferdehof Litliheimar. Du kannst mit jedem Band starten. Vielleicht erkennst du dich in Hanna wieder. Vielleicht mehr in Kathi. Vielleicht wartet deine Lieblingsfigur erst im nächsten Band. Welcher Band spricht dich gerade am meisten an? Entdecke die Reihe hier: Isilove-Reihe
von Tami Leysing 17. Februar 2026
08/26 Isilove – Geh deinen Weg: Ein Islandpferde Jugendroman über Selbstfindung, erste Liebe und den Mut, den eigenen Weg zu gehen Mit Isilove – Geh deinen Weg ist ein Islandpferd Jugendroman entstanden, der weit mehr erzählt als eine Geschichte über Pferde. Es ist ein Coming-of-Age Roman über Selbstfindung, Freundschaft, Leistungsdruck, erste Liebe – und über die leise, aber kraftvolle Entscheidung, auf das eigene Herz zu hören. Als ich dieses Pferdebuch für Mädchen ab 12 geschrieben habe, war mir eines besonders wichtig: Ich wollte keine perfekte Heldin erschaffen. Ich wollte eine Figur, die zweifelt. Die Fehler macht. Die sich täuscht. Und die trotzdem den Mut findet, aufzustehen und weiterzugehen. Hanna ist sechzehn Jahre alt und steht an einem Wendepunkt ihres Lebens.