Kurzgeschichte - Gunnars Reise

Tami Leysing • 29. Juni 2023

Kurzgeschichte - Gunnars Reise

Melek stand Abseits, damit keiner die dicken Tränen sehen konnte, die ihr über die Wangen kullerten. Christina, die Besitzerin des Reiterhofs reichte der anderen Frau am Pferdehänger, den Führstrick. Gunnars Mähne glänzte im Schein der Frühjahrssonne und Melek unterdrückte den Impuls, ihn vor dem Verladen noch streicheln zu wollen. Dann wäre der Abschied noch schmerzhafter. Sie zog ihr Taschentuch aus der Hosentasche und schnäuzte. Gunnar blickte um, wie wenn er im letzten Moment dieses Geräusch noch wahrgenommen hätte. Dann führte die neue Besitzerin das ehemalige Schulpferd auf die Verladerampe, hinein in das dunkle Schwarz des Transporters. Gunnar war das vierte Schulpferd, das in den letzten Wochen verkauft werden musste. Die Pandemie setzte dem Reitstall zu. Der Bestand der Pferde, die gefüttert und versorgt werden mussten, wurde drastisch reduziert. Einer Reitlehrerin und einem der Stallburschen musste gekündigt werden. Der Hof wirkte verlassen und ruhig. Zu ruhig. Früher herrschte hier reges Treiben. Reitschüler und Pferdebesitzer tummelten sich im Hof. Gelächter. Hufgeklapper. Alles war verstummt. Nur noch Melek, Svenja und Caro halfen Christina, damit sie nicht die ganze Arbeit allein machen musste. Melek haderte. Hierbleiben, jeden Tag an den Hof gehen, ohne Gunnar? Er war ihr Lieblingspferd und sie hatte so viele großartige Reitstunden mit ihm erleben dürfen. Sein Verkauf ging nicht spurlos an ihr vorbei. Meleks Körper rebellierte. Die Niedergeschlagenheit drückte ihr auf den Magen. Natürlich verstand sie die Situation. Die Einnahmen der Reitstunden und der Ferienkinder fielen von einem Moment auf den nächsten weg. Doch Vernunft war das eine und Gefühle aber eine ganz andere Sache. Meleks Mutter stand im Türrahmen. „Geh doch mit Svenja mal wieder zum Hof.“ Die Sorgenfalten ließ sie etliche Jahre älter erscheinen.
Melek lag auf ihrem Bett und schüttelte teilnahmslos den Kopf. „Heute nicht!“
„Es ist ein Jahr her. Du kannst dich nicht noch ein weites Jahr in deinem Zimmer verkriechen. Svenja wird auch irgendwann aufgeben!“
Ihre Mutter konnte recht behalten. Caro ließ seit Monaten nichts mehr hören. Lediglich Svenja blieb hartnäckig. Sie schickte in den letzten beiden Tagen die dritte Nachricht auf Meleks Handy, die sie immer noch nicht beantwortet hatte. Die Lage am Hof hatte sich gebessert. Svenja hielt Melek auf dem Laufenden. Mittlerweile gab es wieder Unterricht in Kleingruppen, doch Melek fühlte sich unfähig auch nur einen Fuß an den Hof zu setzen. Sie verlor nach Gunnars Verkauf und dieser unendlichen Traurigkeit, jegliche Lust sich einem Pferd zu nähern.
„Ich will mit zum Reiten?“ Meleks kleiner Bruder Salih tänzelte begeistert neben seiner Mutter und zupfte an ihrem Shirt.
„Melek hat keine Lust“, klärte ihn die Mutter auf.
„Doch Melek. Ich will mit.“ Salih zog Melek am Ärmel, um sie zum Aufstehen zu bewegen.
Die Mutter nahm Salih bei der Hand. „Komm mit, wir lassen deine große Schwester in Ruhe.“
Melek drehte sich zur Seite. Sie lauschte, wie Salih die Treppen hinunterhüpfte und ihre Mutter ihn ermahnte, keine Dummheiten zu machen.
War es richtig, sich immer noch zu verkriechen? War es nicht an der Zeit, die Vergangenheit loszulassen und ihr Leben wieder zu genießen? Melek verging in Selbstmitleid und während sie hier ausharrte, strahlte draußen die Sonne, weil sich der Sommer ankündigte. Das konnte so nicht weitergehen. Sie gab sich einen Ruck, nahm das Handy und tippte in den Chat mit Svenja.„Ich komme mit zum Hof!“ Sie setzte einen Smiley dahinter und wenige Sekunden später antwortete Svenja mit einem Herz.

Melek wischte die feuchten Hände an ihrer Reithose ab. Sie war heilfroh Svenja als moralischen Beistand dabei zu haben. Die beiden liefen über den Hof und Christina kam ihnen mit einer Gruppe Reitschülern entgegen. Ihr überraschtes Gesicht wich einem breiten Lächeln. „Melek. Gut, dass du wieder da bist! Wir haben drei neue Pferde. Sieh sie dir an.“ Christina wirkte wie ausgewechselt. Die Probleme des letzten Jahres waren in Vergessenheit geraten. Sie strotzte nur so vor Tatendrang und Enthusiasmus. Ihre gute Laune war ansteckend. Christina wies die Gruppe an, die Pferde anzubinden und half einem kleinen Mädchen dabei.
Svenja strahlte übers ganze Gesicht. „Die Pferde sind mega!“ Sie zeigte auf die Wallachherde und steuert zielstrebig darauf zu. Wie sehr hatte Melek das alles hier gefehlt. Im Augenblick war sie so überwältigt, dass sie gar nicht begreifen konnte, wie sie sich nur so lange einigeln konnte. Die Atmosphäre am Hof, die heiteren Gesichter, sogar der Geruch der Pferde brachte sie in Hochstimmung. Das alles hier machte sie glücklich! Sie war eben durch und durch ein Pferdemädchen.
Svenja stand mit Melek vor dem Paddock. „Schau, der hier heißt Dimmi und der Grauschimmel da hinten ist Reykur.“
Reykur war groß und sein Mähnenschopf lockte sich, wie nach einer frischen Dauerwelle.
„Da drüben steht die Stute.“ Svenja eilte voraus und Melek musste sehen, dass sie mit Svenja Schritt halten konnte. Ihre Freundin freute sich noch mehr, wie Melek selbst, dass sie wieder zusammen den Hof unsicher machten und sie an alten Zeiten anknüpfen konnten. Melek wunderte sich, weshalb die Stute noch in einem Einzelpaddock stand. „Warum steht sie allein?“
„Brana ist bisschen eigen. Sie muss sich erst an alles gewöhnen.“
Brana. Was für ein hübscher Name. Melek konnte den Blick nicht von der Stute abwenden. Ihr Fell glänzte leuchtend kastanienbraun. Die Stute blickte aufmerksam zu ihr herüber. Neugierig spitze sie die Ohren und kam den Mädchen entgegen, um im letzten Moment skeptisch inne zu halten. Melek stieg mit ihren Stiefeln auf die Sprosse des Gatters und streckte ihr die Hand entgegen. Die Stute reckte den Hals und schnupperte vorsichtig, sie trat einen Schritt zurück, um erneut einen Annäherungsversuch zu wagen.
„Hast du ein Leckerli?“ Melek drehte sich zu Svenja, die ihr aus ihrer Reithose etwas zusteckte.
Melek reichte Brana das Leckerli. „Hier Süße!“
Das weiche Maul nestelte auf ihrer Handfläche nach der Versuchung. Die Berührung löste in Melek eine Wucht an Emotionen aus, dass sie die Tränen zurückhalten musste. Die Stute wurde mutiger und ließ sie sich streicheln. Die Mähne verdeckte eine weiße Flocke auf der Stirn, die durchblitze, als Melek ihren Kopf kraulte. Brana hatte in diesem Moment ihr Herz gewonnen. Ein kurzer Gedanke irritierte Melek. War es fair, Gunnar gegenüber? Doch es war Zeit, ihre alte Pferdeliebe loszulassen und sich auf etwas Neues einzulassen. Melek streichelte Brana noch einmal und flüsterte. „Ich komm dich bald wieder besuchen.“

„Hey Svenja!“
„Hi Raphi“, erwiderte Svenja.
Melek drehte sich um und sah den Jungen mit dem Schubkarren, der anhielt, um die zwei Mädchen zu begrüßen.
„Und wer bist du?“
„Das ist Melek, meine beste Freundin.“ Svenja übernahm glücklicherweise das Antworten, da Melek selbst beim Anblick des Typen eine Begrüßung im Hals steckenblieb.
„Beste Freundin? Wo hast du sie so lange versteckt?“ Raphi grinste frech. Was seinem Aussehen zusätzlich schmeichelte und Melek in Verlegenheit brachte.
Sie hoffte, dass die Wärme, die ihr gerade durch den Körper preschte, sie nicht verriet, wenn ihre Wangen zu leuchten begannen.
„Hi Melek. Schön dich kennenzulernen.“
„Hi“, krächzte Melek. Ihr hatte es immer noch die Stimme verschlagen. Der Junge aber durfte es nicht bemerkt haben, denn er schob den Schubkarren weiter Richtung Reithalle.
„Wer war das?“ Melek wand sich verdutzt an Svenja, die sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte.  
„Raphael, er arbeitet jetzt hier. Er hat dich ganz schön beeindruckt“, spöttelte Svenja.
„Blödsinn!“ Doch im selben Moment als Melek es aussprach war ihr klar, dass sie es nicht schaffen würde, ihre beste Freundin anzuflunkern. Die beiden brachen in lautstarkes Gelächter aus und fielen sich in die Arme.

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Was dich erwartet: Verständliche, emotionale Sprache Starke, aber nahbare Heldinnen Themen wie Selbstzweifel, Zukunftsentscheidungen und erste große Gefühle Keine überfordernden expliziten Inhalte Emotionale Tiefe ohne Überdramatisierung Perfekt für junge Leser:innen – und für alle, die Pferdegeschichten mit Herz lieben. Muss ich die ISILOVE-Reihe in der richtigen Reihenfolge lesen? Kurzantwort Nein. Jeder Band ist eigenständig lesbar. Wichtig zu wissen: Jede Geschichte hat eine eigene Protagonistin Jede Story hat einen abgeschlossenen Konflikt Das verbindende Element ist der Islandpferdehof Litliheimar Manchmal tauchen bekannte Figuren wieder auf Kein Vorwissen nötig Du kannst mit dem Band starten, dessen Klappentext dich am meisten anspricht. Was macht einen guten Coming-of-Age-Roman aus? Eine Figur wächst über sich hinaus, durch Entscheidungen, Fehler und Mut. Typische Merkmale: Innere Konflikte Identitätsfindung Erste Liebe Konflikte mit Eltern oder Umfeld Ein Wendepunkt, der alles verändert In ISILOVE bedeutet das: In „Geh deinen Weg“ kämpft Hanna gegen Erwartungsdruck. In „Nah am Abgrund“ muss Kathi Verantwortung übernehmen. Coming-of-Age bedeutet nicht Perfektion, sondern Entwicklung. Was unterscheidet Jugendbuch von Young Adult? Jugendbuch ist oft zugänglicher, Young Adult emotional intensiver: ISILOVE verbindet beides. Jugendbuch: Frühe Teenjahre Leicht zugängliche Sprache Erste große Konflikte Young Adult: Intensivere Gefühlswelten Identitäts- und Zukunftsfragen Beziehungsdynamiken ISILOVE: Jugendbuch mit YA-Tiefe. Ideal für Leser:innen zwischen 10 und 18 und darüber hinaus. Welche Themen behandelt „Isilove – Geh deinen Weg“? Kurzantwort Träume vs. Erwartungen und der Mut, sich selbst treu zu bleiben. Zentrale Themen: Druck der Eltern Erste große Liebe Berufswunsch Pferdewirtin Finanzielle Eigenständigkeit Selbstbestimmung Für alle, die schon einmal gehört haben: „Das schaffst du nicht.“ Welche Themen behandelt „Isilove – Nah am Abgrund“? Kurzantwort Fehler, Konsequenzen und die Frage: Wer will ich wirklich sein? Zentrale Themen: Außenseiterin sein Drogenfund und Sozialstunden Neuanfang auf einem Pferdehof Rivalität und Eifersucht Vertrauen lernen Ein intensiver Band für alle, die Geschichten mit Kante lieben. Muss ich Pferdewissen haben, um ISILOVE zu lesen? Kurzantwort Nein, aber Pferdeliebhaber:innen werden viele Details wiedererkennen. Für Pferdefans: Stallalltag Verantwortung für ein eigenes Pferd Emotionale Bindung Islandpferde-Atmosphäre Für Nicht-Pferdefans: Fokus liegt auf den Figuren Konflikte sind universell Pferde sind Spiegel der Gefühle Pferde sind das Herz, aber lange nicht der Kern der Geschichten. Warum sind Pferdehof-Romane so beliebt? Kurzantwort Weil sie Geborgenheit und Drama perfekt verbinden. Was Leser:innen lieben: Natur & Waldrand-Atmosphäre Freundschaft & Herdengefühl Bindung zwischen Mensch und Pferd Flucht aus dem Alltag Besonderheit bei ISILOVE: Islandpferdehof Litliheimar in Bayern, mit ganz eigener Stimmung. Pferdegeschichten sind emotionale Heimat. Wie viel Romantik steckt in ISILOVE? Kurzantwort Romantik spielt eine große Rolle, ersetzt aber nie die persönliche Entwicklung. Wichtig: Liebe ist Auslöser, nicht Lösung Konflikte bleiben realistisch Heldinnen müssen selbst handeln Gefühle sind intensiv und glaubwürdig Herzklopfen ja, Kitsch nein. Gibt es sensible Themen? Kurzantwort Ganz klar, ja! Themen, auch für künftige Bände können sein: Drogenkonsequenzen Außenseitererfahrungen Familiärer Druck Selbstzweifel Esstörung Mobbing Schuldgefühle Geschwisterkonflikt Armut und Ausgrenzung Warum das wichtig ist: Weil echte Entwicklung oft dort beginnt, wo es weh tut. Daher sind meine Geschichten immer emotional, aber auch hoffnungsvoll. Für wen ist die ISILOVE-Reihe besonders geeignet? Ideal für: Pferdemädchen ab 10 Teenager in Umbruchphasen Leser:innen, die starke Heldinnen mögen Fans von Coming-of-Age & Romance Pferdefrauen, die emotionale Geschichten lieben Wenn du Pferde + Gefühl + Selbstfindung magst, bist du hier richtig. Wie finde ich heraus, ob ISILOVE mein Buch ist? Der Mini-Selbsttest: Wenn du mindestens zwei Aussagen fühlst, passt die Reihe zu dir: Ich liebe Pferdegeschichten. Ich mag starke Mädchenfiguren. Ich lese gern über erste große Liebe. Ich suche Geschichten über Mut und Selbstbestimmung. Ich will Bücher, die Hoffnung machen. ISILOVE ist für alle, die ihren eigenen Weg suchen oder gerade dabei sind, ihn zu finden. Die ISILOVE-Reihe erzählt eigenständige Geschichten starker junger Frauen, verbunden durch den Islandpferdehof Litliheimar. Du kannst mit jedem Band starten. Vielleicht erkennst du dich in Hanna wieder. Vielleicht mehr in Kathi. Vielleicht wartet deine Lieblingsfigur erst im nächsten Band. Welcher Band spricht dich gerade am meisten an? Entdecke die Reihe hier: Isilove-Reihe
von Tami Leysing 17. Februar 2026
08/26 Isilove – Geh deinen Weg: Ein Islandpferde Jugendroman über Selbstfindung, erste Liebe und den Mut, den eigenen Weg zu gehen Mit Isilove – Geh deinen Weg ist ein Islandpferd Jugendroman entstanden, der weit mehr erzählt als eine Geschichte über Pferde. Es ist ein Coming-of-Age Roman über Selbstfindung, Freundschaft, Leistungsdruck, erste Liebe – und über die leise, aber kraftvolle Entscheidung, auf das eigene Herz zu hören. Als ich dieses Pferdebuch für Mädchen ab 12 geschrieben habe, war mir eines besonders wichtig: Ich wollte keine perfekte Heldin erschaffen. Ich wollte eine Figur, die zweifelt. Die Fehler macht. Die sich täuscht. Und die trotzdem den Mut findet, aufzustehen und weiterzugehen. Hanna ist sechzehn Jahre alt und steht an einem Wendepunkt ihres Lebens.