Von der ersten Idee zum fertigen Buch: Der Schreibprozess für Jugendromane über Islandpferde

Tami Leysing • 22. April 2024

Von der ersten Idee zum fertigen Buch: Der Schreibprozess für Jugendromane über Islandpferde

17/2024 

Das Schreiben eines Jugendromans über Islandpferde ist nicht nur eine kreative Herausforderung, sondern erfordert auch ein tiefes Verständnis für so viele Dinge: dem Schreibhandwerk, den Vorlieben der Leserinnen und Leser in dieser Zielgruppe sowie dem Thema Islandpferde. In diesem Blogbeitrag tauchen wir ein in den Schreibprozess und ich gebe einen Einblick, wie du von der ersten Idee bis zum fertigen Buch kommst.

1. Inspiration finden

Recherche über Islandpferde: Tauche zuerst tief in die Welt der Islandpferde ein, lerne ihre Eigenschaften, ihre Geschichte und ihre Bedeutung für Islandpferdeliebhaber kennen.

Um eine authentische und fesselnde Geschichte über Islandpferde zu schreiben, ist es entscheidend, sich gründlich mit dem Thema Pferde auseinanderzusetzen. Beginne deine Recherche mit der Geschichte und den Eigenschaften dieser faszinierenden Pferderasse. Entdecke ihre einzigartigen Merkmale, von ihrem robusten Charakter bis zu ihrer Anpassungsfähigkeit an die raue Umgebung Islands sowie den Gegebenheiten hier auf den Islandpferdehöfen und Islandpferdegestüten in Deutschland. Die Isilove-Reihe bedient sich einem Setting in Süddeutschland, weil ich dort lebe und ich es liebe durch die heimischen Wälder zu reiten.

Lesen ähnlicher Bücher: Studiere andere Jugendromane über Pferde, um zu verstehen, was funktioniert und was nicht, um sicherzustellen, dass deine Geschichte einzigartig ist.
Darüber hinaus lohnt es sich, andere Bücher zu lesen, um Inspiration zu finden und zu verstehen, wie andere Autoren das Thema behandelt haben. Durch das Studium bereits veröffentlichter Jugendromane über Pferde erhältst du Einblicke in verschiedene Erzählstile, Charakterentwicklungen und Handlungsstränge. In dem einen Buch bedient sich die Autorin einer eindeutigen Jugendsprache, in einer anderen Buchreihe greift eine Autorin gerade ein aktuelles Setting Academy für Reiter auf. Achte dabei besonders darauf, was funktioniert hat und was nicht, um deine eigene Geschichte noch besser zu machen.

2. Charakterentwicklung

Protagonist: Erschaffe einen faszinierenden Hauptcharakter, der sich mit Islandpferden identifiziert und eine persönliche Reise durch das Buch erlebt.

In meinem Fall spielen die Protagonistinnen der Geschichten eine entscheidende Rolle und ich hoffe, dass sich die Leser mit dem Buch identifizieren können. Erschaffe also Hauptcharaktere, die lebendig und authentisch sind, mit Stärken, Schwächen und Träumen, die die Personen menschlich und greifbar machen. Zum Beispiel Teenager im Alter von sechzehn Jahren, die sich mit den Problemen ihres Alltags auseinandersetzen, um dann eine besondere Verbindung zu den Pferden zu entdecken, die ihnen Kraft und neuen Lebensmut gibt.

Nebencharaktere: Entwickle interessante Nebencharaktere, die die Geschichte bereichern und dem Protagonisten Herausforderungen und Unterstützung bieten.
Neben den Protagonisten sind auch die Nebencharaktere von großer Bedeutung für die Geschichte. Sie können Freunde, Mentoren, Rivalen oder sogar die Pferde selbst sein. Entwickle ihre Persönlichkeiten und Beziehungen sorgfältig, um eine vielschichtige und fesselnde Handlung zu ermöglichen, die die Leser mitreißt und emotional berührt. Im Mittelpunkt der Isilove-Reihe steht in jedem Band ein Liebespaar. Die Besonderheit meiner Jugendbücher ist, dass ich wie in dem einen oder anderen New Adult Roman aus zwei Perspektiven schreibe.

3. Handlungsstrang entwerfen

Spannung aufbauen: Plane eine Handlung, die die Leser von Anfang bis Ende fesselt und sie dazu bringt, weiterzulesen.Die Gestaltung eines fesselnden Handlungsstrangs ist entscheidend, um die Leserinnen und Leser von Anfang bis zum Ende zu fesseln. Überlege dir, welche Wendungen und Überraschungen deine Geschichte bereithalten soll, um Spannung und Interesse aufrechtzuerhalten. Vielleicht stößt dein Protagonist auf seinem Weg unerwartet auf Hindernisse oder entdeckt Geheimnisse, die sein Verständnis für die Welt der Islandpferde verändern. In Band 2 Isilove - Nah am Abgrund kann sich Kathi nicht einmal vorstellen in der Nähe von Islandpferden zu sein, doch es kommt völlig anders, als sie es sich zunächst wünscht.

Konflikte einbauen: Schaffe Hindernisse und Konflikte, mit denen sich der Protagonist auseinandersetzen muss, um sein Ziel zu erreichen. Konflikte sind ein wesentlicher Bestandteil jeder guten Geschichte. Sie treiben die Handlung voran und geben dem Protagonisten die Möglichkeit, zu wachsen und sich zu verändern. Überlege dir, welche Konflikte deine Charaktere überwinden müssen, sei es interne Konflikte wie Selbstzweifel oder externe Konflikte wie Wettbewerber im Reitturnier, um eine packende und mitreißende Erzählung zu schaffen. In meinen Büchern versuche ich stets beides zu nutzen. Die Protagonistin muss sich einem inneren und einem äußeren Konflikt stellen, damit sie sich im Laufe der Geschichte entwickeln kann.  

4. Setting und Atmosphäre

Die richtige Kulisse: Nutze die malerische Landschaft Islands oder ganz bewusst deine Umgebung als Kulisse für deine Geschichte und beschreibe sie detailreich, um die Atmosphäre einzufangen.
Das Setting und die Atmosphäre deiner Geschichte spielen eine entscheidende Rolle, die Leser in die Welt deiner Geschichte zu ziehen und sie dort zu halten. Nutzt du die malerische Landschaft Islands als Kulisse für deine Handlung, solltest du vielleicht sogar mal dort gewesen sein. Beschreibe die Umgebung mit allen Sinnen, um eine lebendige und immersive Erfahrung zu schaffen. Lass die Leser den Duft von frischer Meeresluft riechen, das Rauschen der Wellen hören oder die raue Natur der Landschaft spüren. In der Isilove-Reihe lasse ich auf ein Pferdegestüt entführen, dass direkt am Waldrand liegt. Beim Schreiben rieche ich den feuchten Waldboden oder höre das Gezwitscher der Vögel in den Baumwipfeln. Ich lausche dem Hufschlag das Pferdes, dass vom Ausreiten zurück in den Hof läuft oder spüre das seidige Fell an meinen Händen beim Streicheln über die Kruppe. Dann tauche ich so sehr in die Geschichte ein, dass ich alles um mich herum vergesse. Die Leser müssen das Gefühl haben, selbst dort zu sein.

5. Schreibprozess

Struktur festlegen: Plane die Struktur deines Buches, einschließlich Kapitelaufteilung und Handlungsverlauf, um ein solides Gerüst für deine Geschichte zu schaffen. Der Schreibprozess für deinen Jugendroman über Islandpferde erfordert Struktur und Disziplin. Ich beginne damit, die grundlegende Struktur meiner Geschichte festzulegen, einschließlich der Kapitelaufteilung und des Handlungsverlaufs. Eine klare Struktur hilft mir, den Überblick über meine Geschichte zu behalten und sicherzustellen, dass sie sich organisch entwickelt. Doch ich lasse tatsächlich zu, dass sich mein Plan auch verändern darf, denn manchmal passieren beim Schreiben ganz unvorhergesehene Dinge. Die Figuren entwickeln ein Eigenleben. Das ist, wenn wir Autorinnen und Autoren beim Schreiben einen sogenannten Flow erleben. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Tägliche Schreibziele: Setze dir tägliche Schreibziele, um kontinuierlich am Buch zu arbeiten und den Schreibprozess voranzutreiben. Setze dir tägliche Schreibziele, um kontinuierlich am Buch zu arbeiten und den Schreibprozess voranzutreiben. Selbst wenn es nur eine kurze Zeitspanne pro Tag ist, hilft dir diese regelmäßige Praxis, im Fluss zu bleiben und deine Kreativität zu fördern. Finde heraus, zu welcher Tageszeit du am produktivsten bist und plane deine Schreibsessions entsprechend. Ich arbeite tatsächlich gerne früh morgens oder abends. Richtig fleißig bin ich mit der Pomodoro-Technik, die ich euch gerne in einem anderen Blog mal vorstellen kann. Das Autorenleben hält so viele verschiedene Aufgaben bereit, die alle erledigt werden wollen.

6. Überarbeitung und Feedback


Selbstüberarbeitung: Überarbeite dein Manuskript gründlich, um Fehler zu korrigieren und den Text zu verbessern.
Die Überarbeitung ist ein wesentlicher Schritt im Schreibprozess, um sicherzustellen, dass dein Buch die bestmögliche Form erreicht. Beginne mit der Selbstüberarbeitung, indem du dein Manuskript gründlich durchgehst, um Fehler zu korrigieren und den Text zu verbessern. Achte dabei auf Aspekte wie Handlungskohärenz, Charakterentwicklung und sprachliche Präzision. Meine erste Testleserin ist für jedes meiner Bücher meine Tochter. Sie ist diejenige, die schonungslos Kritik übt und dafür bin ich ihr unendlich dankbar.

Externe Meinungen einholen: Bitte Freunde, Familie oder andere Autoren um Feedback, um verschiedene Perspektiven auf deine Geschichte zu erhalten. Ich bin Mitglied in verschiedenen Schreibgruppen, dort tummeln sich andere Autoren und professionelle Lektoren. Wir nutzen das gegenseitige Feedback, um verschiedene Perspektiven auf unsere Geschichte zu erhalten und so viele Schwachstellen wie möglich zu identifizieren. Dafür ist es wichtig, offen für konstruktive Kritik und bereit zu sein, Änderungen vorzunehmen, um die Geschichte zu verbessern.

7. Veröffentlichung vorbereiten

Lektorat und Korrekturlesen: Lasse dein Manuskript von einem professionellen Lektorat überprüfen, um sicherzustellen, dass es frei von Fehlern ist. Bevor du dein Buch veröffentlichst, ist es wichtig, sicherzustellen, dass es in bestmöglicher Qualität vorliegt. Lasse dein Manuskript von einem professionellen Lektorat überprüfen, um Rechtschreibfehler, Grammatikfehler und stilistische Ungenauigkeiten zu korrigieren. Ein sauberes und professionell bearbeitetes Manuskript erhöht deine Glaubwürdigkeit als Autor und verbessert die Leseerfahrung. Niemals würde ich ein Buch in die Welt lassen ohne Lektorat. Du würdest nicht glauben, wie viele Ungereimtheiten und Kleinigkeiten dort noch ausfindig gemacht werden.

Coverdesign: Investiere in ein ansprechendes Coverdesign, das die Aufmerksamkeit potenzieller Leser auf sich zieht und den Inhalt deines Buches widerspiegelt. Das Cover ist das erste, was Leser sehen, und kann einen großen Einfluss darauf haben, ob sie sich für dein Buch entscheiden oder nicht. Arbeite mit einem talentierten Designer zusammen, um ein Cover zu erstellen, das sowohl ästhetisch ansprechend als auch aussagekräftig ist. Zu Beginn der Geschichte arbeite ich manchmal mit einem Arbeitscover oder einem Moodboard, doch ein Buchcover gehört in professionelle Hände. Coverdesigner kennen die Feinheiten und wissen genau, welchen Anforderungen ein Buchcover in dem entsprechenden Genre gerecht werden muss.

8. Vermarktung und Promotion

Social Media Präsenz: Baue eine Präsenz auf Social-Media-Plattformen auf, um deine Zielgruppe zu erreichen und für dein Buch zu werben. Nach der Veröffentlichung ist es wichtig, aktiv für dein Buch zu werben, um es einer breiteren Zielgruppe bekannt zu machen. Baue eine Präsenz auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, Tiktok und Facebook auf, um deine Leser zu erreichen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Teile regelmäßig Updates über dein Buch, Einblicke in den Schreibprozess und Veranstaltungshinweise, um das Interesse zu steigern. Ich konnte zuerst nicht glauben, dass Marketing so einen enormen Anteil am Autorenbusiness hat, doch desto länger ich mich in der Buchbubble aufhalte umso transparenter werden die Strukturen. Ob Verlagsautor oder Selfpublisher, heute kann sich niemand mehr an diesem Thema vorbeistehlen.

Buchvorstellung und Lesungen: Organisiere Buchvorstellungen und Lesungen, um dein Buch einem breiteren Publikum vorzustellen und direkten Kontakt zu Lesern herzustellen. Plane frühzeitig Veranstaltungen, um dein Buch einem lokalen Publikum vorzustellen und direkten Kontakt zu Lesern herzustellen. Nutze auch Online-Plattformen wie Goodreads, Bookstagram und Buchblogs, um Rezensionen zu sammeln und dein Buch einer größeren Leserschaft vorzustellen. Mit einer durchdachten Vermarktungsstrategie kannst du das Potenzial deines Buches voll ausschöpfen und deine Zielgruppe effektiv erreichen. Ich plane für die Zukunft Lesereisen zu unterschiedlichen Islandpferdehöfen. Die meisten Reiterhöfe bieten Reiterferien für Kinder und Jugendliche an und sorgen mit einem Jahresprogramm für ausreichend Unterhaltung für Jung und Alt. Da sollte doch eine Lesung aus einem der Isilove Bände nicht fehlen, denke ich. Doch davor habe ich persönlich am meisten Bammel.

Mit diesen Tipps und einem klaren Verständnis für den Schreibprozess bist du jetzt auch bereit, deinen eigenen Roman zu schreiben. Tauche ein in die faszinierende Welt der Pferde oder folge der Leidenschaft, die dich fasziniert und begeistert. Lass deiner Fantasie freien Lauf! Ich glaube wir können so viel mehr erreichen, als wir uns vorstellen können.

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KW37/2026 Was braucht es, um gut schreiben zu können? Talent? Eine besondere Begabung für Sprache? Die berühmte Inspiration, die hoffentlich genau dann auftaucht, wenn wir uns an den Schreibtisch setzen? Je länger ich selbst schreibe und je mehr Manuskripte ich als Lektorin begleite, desto weniger glaube ich daran, dass gutes Schreiben vor allem eine Frage des Talents ist. Für mich sind es drei Dinge, die viel entscheidender sind: Lesen. Schreiben. Überarbeiten. Sie gehören zusammen. Und wahrscheinlich hört keines davon jemals auf, wenn wir uns als Autor:innen weiterentwickeln wollen. Lesen verändert sich, sobald wir selbst schreiben Ich lese heute anders als früher. Natürlich kann ich mich noch immer in einer Geschichte verlieren. Aber irgendwo läuft inzwischen eine zweite Ebene mit. Warum funktioniert diese Szene so gut? Weshalb bin ich dieser Figur nach wenigen Seiten so nah? Warum möchte ich unbedingt wissen, was als Nächstes passiert? Und genauso: Warum verliere ich gerade das Interesse? Weshalb berührt mich dieser eigentlich dramatische Moment nicht? Warum fühlt sich ein Dialog künstlich an? Dieses Warum finde ich für das eigene Schreiben unglaublich wertvoll. Denn sobald wir beginnen, Geschichten nicht nur zu lesen, sondern ihre Wirkung zu hinterfragen, lernen wir etwas über unser Handwerk. Dabei können uns ausgerechnet Bücher besonders viel beibringen, die uns nicht gefallen. Statt einen Roman mit einem schnellen "Boah" einfach nicht meins zur Seite zu legen, können wir genauer hinschauen. Vielleicht fehlt der Hauptfigur ein Ziel, das wir wirklich verstehen. Vielleicht werden ihre Gefühle ausführlich erklärt, ohne dass wir sie erleben können. Vielleicht passiert auf zwanzig Seiten eine ganze Menge und trotzdem verändert sich nichts. Oder wir wissen längst, welche Wendung kommen wird, obwohl sie uns eigentlich überraschen sollte. Und irgendwann passiert etwas Spannendes: Wir erkennen dieselben Muster im eigenen Manuskript.
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